|
Sommerspiele Melk
DIE PÄPSTIN
Bearbeitung: Susanne WOLF
Regie: Alexander HAUER
mit:
Franziska HETZEL, Ingrid LANG, Katharina STEMBERGER,
Mathias HACKER, Anselm LIPGENS, Julian LOIDL, Dennis PETKOVIC,
Christian PREUSS, Guiseppe RIZZO, Ronald RUDOLL
Premiere 21.06.2012
LOCKVOGEL KÜßT TONTAUBE
eine Komödie
mit:
ANGELA SCHNEIDER und ANDREAS STEPPAN
RONALD RUDOLL
Regie:
KLAUS ROHRMOSER
Assistenz:
GABY GRUBER
PREMIERE 15.November 2012 im METROPOLDI
weitere Vorstellungen:
21. November 2012 - Metropoldi / 20 Uhr
22. November 2012 - Metropoldi / 20 Uhr
23. November 2012 - Metropoldi / 20 Uhr
24. November 2012 - Laa an der Thaya / 19:30
24. Jänner 2013 - Mödling Stadtgalerie / 20 Uhr
25. Jänner 2013 - Mödling Stadtgalerie / 20 Uhr
26. Jänner 2013 - Mödling Stadtgalerie / 20 Uhr
01. Februar 2013 - Leoben / 19:30
01. März 2013 - St.Pölten VAZ / 20 Uhr
02. März 2013 - Stockerau Lenautheater / 20 Uhr
HUMBERRIE
Statt-Theater Vegesack
BREMEN
Regie: Anja ADEL
Regieassistenz: Monika Bernsdorf
Produktionsleitung: Helle Rothe
Technik: Michael Räbiger, Lukas Lamprecht
Marketing: Matthias Sabelhaus
mit
Anni Diercks
Saskia Ziegenbein
Laura Schimmler
Helle Rothe
Martin Mader
Uwe Stangenberg
WESER KURIER
WICHTIG IST DAS ÜBERLEBEN DES LEBENS
von PETER OTTO
Auszüge aus der Kritik
Erfolgreicher Auftakt des Statt-Theaters mit der Komödie "Humberrie".
Das Statt-Theater Vegesack feierte mit dem Stück "Humberrie" am Donnerstag im Kuba eine umjubelte Premiere.
Anni Diercks spielt überzeugend die verschämte Jungfer mit exaltierten Gefühlsausbrüchen und schrulligen Gewohnheiten.
Die Figur des Humberrie hat die Regisseurin mit einer Frau besetzt. Saskia Ziegenbein. Die junge Schauspielerin spiegelt die Widersprüchlichkeit in ihrer Rolle zwischen menschlichen Normen und pflanzlichem Wachstumsdrang.
Das Statt-Theater Vegesack feierte mit dem Stück eine gelungene Deutschlandpremiere.
DAS BLV
WOCHENZEITUNG
EINE DEUTSCHLANDPREMIERE IN VEGESACK
von MARTIN THIES
Auszüge aus der Kritik
... im Kuba ist eine tiefschwarze Komödie zu sehen, oder sprichwörtlich zu erleben ...
...in ihm, wie sollte es anders sein, drückt sich das Humorvolle und Morbide aus, das tragisch Komische, kurzum eine tiefe
Lebenssehnsucht kommt zum Tragen. Zwar stellt das Stück eine Utopie dar, ein modernes Märchen. Doch es beinhaltet
ein Stück Wahrheit ...
MEDIENKONTOR VEGESACK
MEINEN TRIEBTÄTER NIMMST DU MIR NICHT
von ULF BUSCHMANN
Auszüge aus der Kritik
„Humberrie“ ist als Komödie ausgelegt. Doch es ist eine, die von den kleinen, szenischen Witzchen und Späßchen lebt.
Die Inszenierung kommt entsprechend nicht immer laut daher. „Humberrie“ ist ein Stück zum Nachdenken.
Nicht nur das, es ist genauso eine Produktion, die den Schauspielern einiges an Leistung und Eintauchen abverlangt.
Schreibwetter II
im VOLKSTHEATER Wien
03.05.2011
Spielstätte: Schwarzer Salon, Weißer Salon
Chris Pichler, Angela Schneider, Günther Wiederschwinger u.a. lesen aus den neuesten Stücken von
Pauline Käfer, Ronald Rudoll und Peter Limburg
Spielstätte: Schwarzer Salon, Weißer Salon
Eine Autorin, zwei Autoren, drei neue Texte. Vom psychologischen Kammerspiel über ein Horváth-Spin-Off bis zur Komödie.
Beim zweiten Termin in dieser Spielzeit unserer Lesereihe Schreibwetter in Kooperation mit dem Thomas Sessler-Verlag präsentieren wir Im Gegenlicht des Spiegels von Ronald Rudoll, Fahrt ins Glück von Pauline Käfer
und Der Charme des Fiaskos von Peter Limburg.
In Zusammenarbeit mit dem Thomas Sessler-Verlag, Wien

HUMBERRIE
Im 3raum - Anatomietheater

Foto: lichtwerig.at Foto: lichtwerig.at
Mitwirkende:
Humberrie: Martin Bermoser
Johanna: Klara Steinhauser
Evelyn: Angela Schneider
Gerda: Lilly Prohaska
Almar: Hubsi Kramar
Licht: Sabine Wiesenbauer
Kostüme: Heida Url
Produktionsltg: Alexandra Reisinger
Grafik: Eva Schuster
PR: GAMUEKL
Fotos: lichtwertig.at,
Regie und Bühne: Hubsi Kramar
Inhaltsangabe:
KURIER
Blumenmann und Midlife-Pubertierende
von Heinz WAGNER
Das Stück "Humberrie" - zu sehen im 3-Raum-Anatomietheater - ist eine Komödie,
bei der das Lachen spät im Hals stecken bleibt. Sehenswert!
Ursüß und schüchtern steht er da. Klatschnass. Da bittet ihn die leicht midlife-krisige Frau ins Wohnzimmer,
einen beinahe mondänen Salon mit ein paar Farbtupfern. Und dann nimmt die Komödie ihren Lauf.
Rund eineinhalb Stunden werden die Lachmuskeln recht häufig beansprucht. Eine herrliche Komödie.
Martin Bermoser spielt diesen HUManBEERigen Typen als absoluter Sympathieträger.
Die Gefahr des missglückten weil geglückten Experiments tritt die meiste Zeit über ganz in den Hintergrund.
Und erst gegen Ende bleibt das Lachen angesichts des Gedankens an die sich rasant verbreiten könnende
Genmanipulation im Halse stecken.
Ausgezeichnet agiert auch Klara Steinhauser in der Rolle der 35-jährigen Pubertierenden zwischen Hinwendung und Zurückschrecken, zwischen Ärger und Hass auf Freundin und Mutter bzw. Versuch, die beiden schnellstmöglich wieder
los zu werden. Und genial: Lilly Prohaska als Mutter Gerrrda - aus dem Monitor einer TV-SitCom ins mondäne
Wohnzimmer des 3-Raum-Theaters. Herrlich unsympathisch Angela Schneider als "beste Freundin".
APA
3raum-anatomietheater: In "Humberrie" werden Pflanzen lebendig
von Eva Lugbauer
Utl.: Hubsi Kramar beweist einen grünen Daumen auf dem Bretterboden und bringt eine skurrile Komödie
von Ronald Rudoll über eine menschliche Beere zum Erblühen.
Weniger Frischfleisch, als eine Frischpflanze hat die allein stehende Mittdreißigerin Johanna (Klara Steinhauser) aufgegabelt.
Denn der knackige Bursche Humberrie (Martin Bermoser) ist eine menschliche Beere - oder ein beeriger Mensch.
Jedenfalls halb Mensch, halb Pflanze. Auf den ersten Blick sieht man ihm das Pflanzliche nicht an, was zu absurden,
aber absolut witzigen Situationen in der Komödie "Humberrie" führt.
Hubsi Kramar inszenierte das Bühnenwerk von Ronald Rudoll, der hiermit sein drittes Theaterstück vorlegt,
im Wiener 3raum-anatomietheater. Bei der gestrigen Uraufführung war für eine große Portion schräger Komik gesorgt.
Bermoser spielt den Humberrie herrlich dümmlich und genauso naiv, wie ein fünf Jahre alter, "gut gewachsener" Spross sein muss. Mit großen Augen schaut er seine Johanna an, als er ihr stolz seine ersten Samen (schwarzen Erbsen ähnlich) präsentiert.
Immer wieder spaziert er nach seinen regelmäßigen Duschen - eine Pflanze muss schließlich gegossen werden -
ganz unbekümmert nackt aus dem Bad und bringt die Hausherrin in Verlegenheit.
Mit Leichtigkeit turnt er über die Ledercouch und den Esstisch auf der Bühne, um eine Fliege zu fangen - seine Leibspeise.
Ihm gegenüber agiert eine illustre Damenrunde, bestehend aus Johanna, ihrer Freundin Evelyn (Angela Schneider)
und ihrer Mutter Gerda (Lilly Prohaska), allesamt finden sie den feschen Kerl reizend.
Herausragend spielt Prohaska die Rolle der wichtigtuerischen Mutter. In groß karierte Hosen und braune Strickjacke gewandet, tippelt sie mit Filzpatschen durch Johannas Wohnzimmer und egal, ob sie nun Humberrie bis ins Badezimmer verfolgt, seinen abgeschnittenen Zeigefinger im Blumentopf wiegt oder dem an die Haustür pochenden Polizeiinspektor kontert -
für eine treffsichere Pointe oder Grimasse ist sie stets zu haben.
Die Damen müssen sich schließlich entscheiden, ob sie sich auf die Seite Humberries oder jene der Polizei schlagen.
Als klar wird, dass Humberrie wohl gar kein Triebtäter ist, sondern nur aus dem Verkehr gezogen werden muss, weil er um das Geheimnis der Blumen weiß, fällt die Entscheidung etwas leichter. Was dieses Geheimnis der Blumen genau sein soll, wird nicht
so richtig klar. Die Thematik der Gentechnik wird zwar angeschnitten, eine ernsthafte Auseinandersetzung damit gibt es aber nicht. Ankreiden könnte man dem Stück auch, dass es sich nicht richtig entscheiden kann, ob es nun eine Liebeskomödie oder ein komödiantischer Thriller sein will.
Aber angesichts der nicht zur Ruhe kommen wollenden Lachmuskeln verzichtet man lieber auf das Ankreiden und amüsiert sich
bei einer Inszenierung, die erfrischend anders ist. "Humberrie" überzeugt mit irrwitziger Skurrilität.
Es ist eine unwirkliche Komödie, die es schafft, Wurzeln in der Realität zu schlagen - auch, wenn es eine schräge Realität ist.
KRONENZEITUNG
"Humberrie" im Wiener 3raumanatomie-theater
von KHR
Ronald Rudoll, Autor des Erfolgstückes "Papas in Motion", brachte
gestern, Montag, seine turbulente, richtig durchgeknallte Komödie "Humberrie" zur Uraufführung.
Hubsi Kramar führte Regie und gestaltete die Bühne.
Humberrie, aus Almars Forschungsinstitut entlaufen, ist ein Wunderknabe, ein 'Treibhaus-Darling', der alle weiblichen
Wesen begeistert.
DER FALTER
von Bettina HAGEN
Ein Mann wie eine Pflanze
Humberrie vereinigt, wie der Name schon sagt, die Tugenden der Menschen und der Pflanzenwelt.
Als Experiment und in seiner Selbständigkeit zu weit gediehen, ist er aus der geschützten Atmosphäre
eines Labors geflohen.
Eine surreal angehauchte Komödie.
PAPAS IN MOTION

Foto: Juergen Unterweger
DER STANDARD
Theater im Kabelwerk
Wenn Männer sich für Männer entscheiden
von EVA TINSOBIN
"Papas in Motion" nennt sich eine Selbsthilfegruppe für schwule und bisexuelle Väter und deren Lebensgefährten in Wien.
"Papas in Motion" nannte Ronald Rudoll auch seine Tragikomödie, die vor knapp einem Jahr ihre Erfolgsgeschichte
in Hubsi Kramars 3raum Anatomietheater startete und nach Gastspielen in Stuttgart und Warschau nun im Kabelwerk Wien
zu sehen ist.
Rasant und pointenreich ist es Ronald Rudoll (selbst überzeugend ein Testosteron-Paket mimend) und Regisseur
Stephan Bruckmeier gelungen, ein Konflikt beladenes Thema locker aufzubereiten. Das liegt auch an der großartigen schauspielerischen Leistung: Peter Strauß als unterschwellig aggressiver und seinen "polnischen Neffen zweiten Grades"
zugeneigter Herrmann. Alexandra Maria Timmel als seine Ehefrau mit knochentrockenem Humor.
Anselm Lipgens als persönlich involvierter Therapeut. Andreas Goebel als von der überbordenden Weiblichkeit seiner
Frau Natalie (Angela Schneider) überwältigter und deshalb der Travestie verfallener Gerald. Caroline Betz besticht als hochschwangere gottgläubige Alice und nicht zuletzt Anita Kolbert als verzweifelte Ehefrau.
Mit dem Ende kommt die Ernüchterung. Rudoll bleibt eine Antwort auf die Frage schuldig, ob und wie ein Leben
als homo- oder bisexueller Mann in einer heterosexuellen Partnerschaft möglich ist. Wie sich das Leben als Partnerin
eines homo- oder bisexuellen Mannes gestalten kann. Und das ist gut so, denn weder wird mit erhobenem Zeigefinger
belehrt, noch werden Patentlösungen für dieses Thema angeboten, das jeden und jede betreffen kann. (tin/derStandard.at/02.12.2010)
Der Homo-Skandal im trauten Heim
Von STEFAN BEIG
 Zufällig liest die Frau eines Therapeuten den Mailverkehr ihres Mannes Erich und stößt auf ein
schockierendes Geheimnis: Erich ist bisexuell und bietet die anonyme Beratungsstelle "Papas in Motion"
für schwule Väter an. Mit vier anderen Ehemännern lebt er dort seine verheimlichten Leidenschaften
offen aus.
Entsetzt trommelt die Ehepartnerin die Frauen der anderen Väter zusammen. Auf das erste Entsetzen
folgt der Entschluss, beim nächsten "Papas in Motion"-Treffen aufzukreuzen. Unweigerlich kommt es
zum Eklat. Den größten Erklärungsnotstand hat der Mann von Natalie (grandios: Angela Schneider),
der ihren Minirock – und ihr Makeup trägt.
Eine Sensation ist die Uraufführung dieser Tragikomödie von Ronald Rudoll im 3raum. Teils irrwitzig
und voll pointenreicher Dialoge, am Ende herzzerreißend tragisch und ohne Antwort, gelingt dem Stück
eine realistische Darstellung eines schwierigen Themas. Das liegt auch an den hervorragenden Schauspielern:
Gabriela Huetter liefert meisterlich die nüchterne Ehefrau, die mit Augen-Zudrücken ihre Ehe noch retten
kann. Als persönlich betroffener und engagierter Therapeut überzeugt Anselm Lipgens. Andreas Goebel
gibt mitreißend den von der Weiblichkeit seiner Frau Natalie dermaßen hingerissenen Gerald, dass er sogar
in ihre Kleider schlüpft. Die Religiosität der frommen Alice wird von Ildiko Babos mitfühlend gespielt,
doch leider von der Textvorlage überzeichnet.
Nein, vor Subventionen hätte sich die Stadt Wien hier nicht drücken müssen. Homosexuelle werden nicht
als Opfer der "Ach so bösen"-Gesellschaft verklärt, auch nicht als Menschen von einem anderen Planeten entstellt.
Ihre internen Streitereien und menschlichen Unzulänglichkeiten werden ebenso deutlich wie das Leiden der Frauen.
Folgerichtig bleibt das Happy End aus.

Anita KOLBERT, Anselm LIPGENS, Ronald RUDOLL
STUTTGARTER ZEITUNG
von CORD BEINTMANN
Männe mag plötzlich Männer (Auszüge aus der Kritik)
Ronald Rudolls Stück hat einen besonderen Reiz. Es lebt von der dauernden Irritation. Eigentlich ist es wunderbar,
wie es heftig zwischen greller Farce und Tragik hin- und herschlingert, intelligent inszeniert von Stephan Bruckmeier.
Rudoll spielt mit den Klischees, und es ist schön zu erleben, wie das Stück voranschreitet und immer ernster wird.
Im dritten Akt kommt es zu einem umwerfenden Showdown. Die Frauen treffen auf die Männer und gewaltige
Emotionen werden frei. Man schleudert dem Partner ins Gesicht, daß man ihn verlassen werde und tut es dann doch nicht.
Man gesteht einander seine Liebe. Man bekennt öffentlich sein Leben verfehlt zu haben. Von Boulevard ist nun nichts mehr
zu spüren, doch Rudolls Szenen bewahren stets Humor.
Am Schluß wird es dann absolut ernst, wenn sich das Therapeutenpaar endlich einmal so richtig ausspricht.
Dann ist das Stück, das als Boulevard beginnt ganz ruhig und anrührend geworden. Eine Tragikomödie.
STUTTGARTER NACHRICHTEN
von Horst LOHR
Kollaps der Lebenslügen (Auszüge aus der Kritik)
Mit boulevardesker Situationskomik läßt Regisseur Stephan Bruckmeier die enttäuschten Ehefrauen in der
Anfangsszene seiner Inszenierung des Stückes „Papas in Motion“ zum Rachefeldzug gegen ihre Männer rüsten.
Im weiteren Verlauf nutzt der Regisseur Ronald Rudolls Tragikomödie mit ihren frivol-pointierten Dialogen für
eine gelungene theatralischeVersuchanordnung über abgestandene eheliche Beziehungen und geplatzte Lebenslügen.
Wie das feststecken in zementierten Geschlechterrollen die Wirklichkeit verdrängen läßt, führen die zehn ausgezeichneten Schauspieler mit gekonnter Balance zwischen komischen und tragischen Tönen vor.
Die Frauen wüten aus verletztem Stolz und der Furcht, daß ihnen der Besitz Ehemann genommen wird.
Allen voran Anita Kolbert.
Im Gegensatz dazu erschöpfen sich die Männer beim Ringen um schwule Identität in verbalen Hahnenkämpfen.
Besonders der von Peter Strauß gespielte Herrmann, eine verklemmt - aggressive Büroseele.
Hinreißend weiblich darf sich hingegen Andreas Goebel als Transvestit Gigole mit dem Traum von der großen Lebensshow
zeigen.
KLEIN&KUNST ONLINE
von Rudi Hoscher
Im Stück „Papas in Motion“, das am 15. Dezember 2009 im 3raum-Anatomietheater Premiere hatte,
ging Klein&Kunst-Redakteur Rudi Hoscher der Frage nach, ob Wechselentscheidungen in jedem Milieu
bzw. Alter auftreten können. Lesen Sie hier über ein faszinierendes und turbulentes Theaterstück,
das zwischen Komödie und Tragödie tingelte.
Stellen Sie sich vor, Sie bekommen von einer Unbekannten die Information, dass Ihr Mann möglicherweise
eine Affäre hat. Das allein wäre ja nicht außergewöhnlich, aber Sie könnten sich denken: Warum trifft es gerade
mich? Speziell wird es aber dann, wenn es sich beim Liebhaber ihres Mannes auch um einen Mann handelt.
Das wirft dann gleich eine Vielzahl zusätzlicher Fragen auf, vor allem nach dem „Wie kann ich da konkurrieren?“
oder „Hat mein Verhalten ihn so weit gebracht?“
Eine Psychotherapeutin, die zufälligerweise einige E-Mails ihres auch als Psychotherapeut arbeitenden Mannes
gelesen hat, lädt daraufhin vier weitere Frauen zu sich ein, um sie über die vermeintlichen homosexuellen
Beziehungen ihrer Männer zu informieren. Da gibt es einmal die junge, gläubige Schwangere, dann den
männermordenden Vamp, aber auch eine ältere Dame und die etwas bigotte Mutter, die auch weiterhin an ihre
heile Welt glauben will.
Die Männer sind ein Spiegelbild ihrer Frauen, gerade dabei aus diesem auszubrechen, ihre Leben neu zu gestalten,
sich mit unterschiedlichen Motiven und auch mit unterschiedlicher Ernsthaftigkeit dem Thema ihrer eigenen
Homosexualität zu nähern.
Am Ende kommt es wie es – vor allem im Theater - kommen musste, beim Showdown treffen die fünf betrogenen
Frauen auf ihre fünf Männer, die Lage spitzt sich zu und im turbulenten letzten Drittel bekommt man noch einige
interessante Wendungen und Aus- und Abgänge serviert.
Dieses sehr gut gespielte Theaterstück, ein Mittelding zwischen Tragödie und Komödie, wurde ohne öffentliche
Subventionen produziert was dem Enthusiamus des ganzen Teams aber nicht geschadet hat. Positiv zu erwähnen ist
die Unterstützung des Projektes durch die Fa. Almdudler. Ja wenn öffentliche Gelder eher in Banken fließen, müssen
Kunst und Kultur mit privaten Sponsoren Vorlieb nehmen.
Zeitschrift der LDBT-Bewegung in Polen
REPLIKA
Von Pamela Wells
Rezension der Theateraufführung Papas in Motion im Theater Wytwórnia in Warschau.
Dank dem Österreichischen Kulturforum in Warschau konnte das Warschauer Theater Wytwórnia im November 2010 eine hervorragende Tragikomödie „Papas in Motion“ von Ronald Rudoll über eine Wiener Unterstützungsgruppe für homo- und bisexuelle Väter zeigen. Über Vorstellungen von Beziehungen, in denen wir stecken und über eine Konfrontation dieser mit der Wirklichkeit.
Bereits der Anfang suggeriert, dass dieses eher schwere Thema mit Humor behandelt wird. Es kommt zu einem Geheimtreffen von vier Frauen, die einander nicht kennen, von denen keine das Ziel des Zusammentreffens kennt.
Erst als die fünfte Frau eingetroffen ist, wird das Geheimnis gelöst – dies ist die Ehefrau eines bisexuellen Therapeuten,
die zufälligerweise entdeckt hat, dass ihr Ehemann eine Unterstützungsgruppe für homo- oder bisexuelle Väter und Ehemänner leitet. Sie kommt auf die Idee, ihre Ehefrauen zu kontaktieren und … eine Unterstützungsgruppe anzubieten.
Mit dieser absurden aber auch dramatischen Situation fängt das Theaterstück über das Entdecken der wirklichen Beziehungen, in denen wir leben. Die Reaktionen der Ehefrauen auf die Information über die wahre Sexualorientierung der Ehemänner sind natürlich ganz unterschiedlich – von der Flucht in eine religiös motivierte Verneinung bis hin zu der mit mürrischer Stimme vorgebrachten Behauptung „Ich bin überhaupt nicht überrascht“.
Gleichzeitig können wir eine Therapiestunde der Ehemänner beobachten. Das Spektakel erreicht seinen Höhepunkt, als die Ehefrauen sich zu einer Konfrontation entscheiden und die Therapiestelle betreten. Einer der Männer hat gerade Damenklamotten an, der andere hält den Revolver…
Was wird aus diesem Chaos entstehen? Welches Paar wird zusammen bleiben und welches sich trennen?
Was wird mit den Kindern geschehen? Drama und Farce vermischen sich.
Die Protagonistinnen und Protagonisten in „Papas in Motion“ sind eine Galerie hervorragend gezeichneter Gestalten.
Da gibt es eine konservative ältere Dame und ihren eleganten Mann, den eine für Homosexuelle typische kleine Dokumententasche verrät. Da gibt es einen Liebhaber der Fitnessstudios, dessen Frau besorgt ist, dass ihr Sohn „dann auch“ sicher Gay wird. Da gibt es eine schicke Diva in Schwarz mit einer untrennbaren Zigarette, gerade ihr Mann ist ein Transvestit. Da gibt es letzten Endes auch das jüngste Paar, bei dem die Frau ihre Schwangerschaft hochmütig wie eine Trophäe zur Schau trägt und deren Mann sich gerade emanzipiert…
„Papas in Motion“ meidet geschickt jegliche Stereotypen ohne an Komik zu verlieren – im Publikum brachen immer wieder Lachsalven los. Das unkonventionelle Ende bringt die Zuschauer zur Reflexion und provoziert dazu, über das weitere Schicksal der Gestalten nachzudenken…
Die Gruppe der anonymen homo- und bisexuellen Väter/Ehemänner in Österreich hat endlich ein Theaterstück bekommen Wie schaffen es die polnischen homo- und bisexuellen Väter/Ehemänner? Gibt es ähnliche therapeutische Unterstützungstreffen für sie in Warschau oder in Breslau? Interessant, ob es vernünftiger wäre, auf einen polnischen Text über diese Probleme zu warten oder ob ein hiesiges Theater eher „Papas…“ adaptieren wird, denn der Bedarf besteht und das Original gab es nur für ein paar Gastaufführungen.
Peter STRAUß, Ronald RUDOLL, Andreas GOEBEL
Angela SCHNEIDER Andreas GOEBEL
|